Abschied ist überall….

28.02.08/15.30h

mit foggyman in die eisdiele gegenüber, abschiedstreffen. er verändert sich beruflich, von daher werden die oft täglichen, meist kurzen begegnungen wegfallen, längere müssen dann organisiert werden.

ich weiß nicht mal, wann du mir das erste mal aufgefallen bist und habe in diesem gespräch auch versäumt, dich zu fragen. im laufe der zeit haben wir uns jedenfalls sowohl über gott und die welt unterhalten (musik war meiner erinnerung nach der auslöser und blieb der rote faden) als auch praktische dinge locker, mühelos, aber trotzdem mit voller konzentration durchgeführt: z.b.veröffentlichten reports über klimaschutz und einer mitglieder-einkaufsgemeinschaft,  z.b. den hinweis auf eine örtliche fotografin, die geschmackvolle postkarten gestaltet und jetzt zum schluss das gemeinsam besprochene, geplante und durchgeführte konzert mit mr.medley, new foggy few und pete morton, ein schöner erfolgreicher abend, an dem insgesamt 110 menschen beteiligt waren….

völlig unterschiedliche themen/projekte, alles nebenbei, zwischen tür und angel, ohne anstrengung.

erst der verlust lässt dich in diesem leben spüren, was du (als selbstverständlich hingenommen) gehabt hast…. dieser satz wurde mir bewusst, als vor 2 jahren wilhelm starb, urplötzlich, gerade 52 jahre als wie ich selbst. die hälfte dieser 52 jahre hatten wir uns gekannt. zusammen und nebeneinander hatten wir diverse grüne gruppierungen gegründet und mitbegründet, waren zeitweise fast jedes wochenende in nrw politisch unterwegs, unterhielten mit anderen zusammen ein sogenanntes sonntagsfrühstück, aus dem heraus nicht nur die namen dann real werdender projekte wie „grüne liste vlotho“, „grüne liste kalletal“, „cafe klatsch“, „hofnarr“ und „regenwurm“ entstanden. ich sehe die alten fotos von dir, wie du z.b., auf einer leiter stehend den schriftzug des ersten „regenwurm“ anbringst.

wir waren beide eckpfeiler der flüchtlingsbasketballgruppe des hofnarr, wir diskutierten dort und überall – kontrovers, meist aber auf einer linie. ich sehe langwierige differenzen (z.b. um ein interview mit dir, das ich veröffentlichte – nach deiner meinung und der deiner partnerin hatte ich jedoch nicht die letzte genehmigung eingeholt), ich sehe viele situationen, in denen ich dich als sehr dogmatisch empfand, beim thema rauchen sehr oft, ebenso bei politischen themen, situationen, anhand derer ich heute erkenne, dass einem an anderen oft das stört, was eigentlich das eigene manko ist.

ich lasse ungerne meine gedanken, meine empfindungen, mein leben in kategorien pressen. leben ist selbstverständlich, es ist selbstverständlich, dass es wenige menschen gibt, bei denen wir (meist vom ersten moment an, oft unerklärlicherweise, grundlos) viele gemeinsamkeiten spüren und sehr viele, die wir in der ersten sekunde der ersten begegnung in die schublade: „möglichst wenig berührungen mit diesem menschen haben“ packen. z.b. die kategorisierung „freund“ ist mir fremd. als mir beim anruf von friedhelm die worte entgegenprallten „wilhelm ist tot“ und ich verwirrt fragte „welcher wilhelm?“ und mir später bewusst wurde, dass ich nur einen mit diesem namen kenne und dieser satz allein aus dem bedürfnis heraus entstand: zwar zu wissen, was der satz bedeutet, aber es nicht wahrhaben zu wollen… als danach eine wochen- und monatelange depression einsetzte, die 2 monate später durch nikkis tod (nicht einmal 50 geworden) arg verstärkt wurde… da erst musste ich mir schwarz auf weiss den verlust erklären können…. mit worten, mit worten, die da heissen freund, heimat, zuhause, geborgen, fallen lassen können….

in den letzten jahren ist mir diese heimat hier, diese stadt schwer geworden, langweilig, gewohnheit, ein unaufmerksam-sein, ein aneinander-vorbeileben… gemildert, erträglich gemacht haben dies menschen, die plötzlich von „aussen“ hinein kamen und trotzdem schnell vertraut wurden: kathrin, klaus, wolfram, achim, günter, foggyman…. natürlich war es nicht oberflächlich, dass ich diese begrifflichkeiten wie „freund“, „liebe“ eigentlich ablehne, weil ihr „ge“-brauch meist „miss“-brauch (d.i. werbung) ist. aber es ist auch ein versäumnis, die begriffe nicht von zeit zu zeit zu gebrauchen…. weil feedback selten geworden ist, weil es in einen topf geworfen wird mit eben dieser werbung…

beim abschied erst wird einem verlust bewusst…. ich meine dies nicht weh-leidig, -mütig – nur als feststellung. auf wiedersehen, foggyman!!!!!!!!!

übrigens hat eines der deutschen lieder, dessen text wie mir auf den leib geschrieben zu sein schien, die zeilen „ich red zuviel“ im refrain….

der erste blog-text meines lebens! dass er entstehen konnte, verdanke ich (in dieser reihenfolge): arndt, wordpress, salvadore und ghosthouse. vielen dank, freunde!

~ von nikkisuddenly am Februar 28, 2008.

2 Antworten to “Abschied ist überall….”

  1. wow, nikkisuddenly, das nenne ich mal einen ersten Blog-Eintrag. Ich finde es schön zu merken, dass ich als Mensch bei manchen Menschen meine Spuren in Vlotho hinterlasse. Und der Abschied ist mit Sicherheit keine endgültiger. Ich werde immer, wenn ich nach Vlotho komme, einen Abstecher in den Laden machen. Nicht nur um Einzukaufen. Abgesehen davon gibt es ja schließlich E-Mails und jetzt eben auch Deinen Blog. Dein Eintrag hat mich richtig bewegt. Gut dass es soches Medium gibt.
    Liebe Grüße vom foggyman

  2. Mich hat der Eintrag übrigens auch bewegt. Kennen und kennen sind eben doch zwei Paar Schuhe.

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